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Prävention durch Aufklärung


Im Archiv der Stadt Leer lagern zahlreiche Dokumente aus der Zeit des III. Reiches, die der Öffentlichkeit, insbesondere den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in besonderer Weise zugänglich gemacht wurden. Im August 2001 veröffentlichte die Stadt Leer eine Dokumentation, die einen Querschnitt durch das Quellenmaterial des Stadtarchivs zum Thema "NS-Zeit" zieht. Auf 636 Seiten wird dem Leser nicht das sogenannte "Großdeutsche Reich" unter der Herrschaft der Nationalsozialisten vor Augen geführt, sondern die Auswüchse dieser "Bewegung", wie sie damals genannt wurde, in der kleinen Stadt Leer, wie sie von den Bürgern und Bürgerinnen von 1933 – 1945 erlebt und gelebt wurden.

Zwischen den Zeilen nüchterner Verwaltungsvorgänge, Statistiken, Namenslisten, Zeitungsartikeln, verbergen sich Menschenschicksale. Zeitzeugen, die sich bereit fanden, aus dieser Zeit zu erzählen, führen durch ihre Darstellung der erlebten Geschichte über die sachliche Ebene hinaus. Ihre Erinnerungen geben ein beredtes Zeugnis ab über eine Zeit, die nicht in Vergessenheit geraten darf. Ein Zeugnis u.a. über Menschen, die einst Bürger dieser Stadt, hier zu Hause waren. Die Dokumentation "Leer 1933 – 1945" stellt einen Versuch dar, die "Zeit des Nationalsozialismus" ungeschönt, wie sie in Leer gelebt wurde, aufzuzeigen. Wenn sie auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, vermag sie dennoch durch ihre Unmittelbarkeit nachdenkliche Betroffenheit zu wecken.

Die Dokumentation der NS-Zeit in der Region lieferte die Grundlage für die Idee zum "archivpädagogischen Modell zur Prävention rechtsextremistischer Tendenzen". Es handelt sich dabei um eine Einrichtung, in der versucht wird, über Aufklärungsarbeit hinsichtlich der NS-Zeit rechtem Gedankengut entgegenzuwirken.
In der einjährigen Erprobungszeit avancierte dieses Modell schnell zu einer vielbeachteten und vielbesuchten Anlaufstelle für viele Schulen, die diese externe Bildungseinrichtung zur Vermittlung der Lokalgeschichte als ergänzendes Element für den Geschichtsunterricht gerne in Anspruch nehmen.

In diesem Modell wird den Jugendlichen anhand konkreter Beispiele aus der Stadtgeschichte eindrucksvoll vor Augen geführt, wie das Leben vor Ort im Faschismus, das Leben in einem totalitären Willkürstaat tatsächlich aussah und welche Wege dorthin geführt haben. Die Orte, die Schriften, die Namen... – sie können aufgesucht, gelesen, genannt werden. Diese Art der "sinnlichen" Geschichtsvermittlung, die durch die unmittelbare Nähe zum historischen Ort und zur historischen Quelle ermöglicht wird, fand in den letzten Monaten ausschließlich positive Rückmeldungen seitens der Besucher.

Da es sich noch um ein Modell handelt, das gewissermaßen noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es noch viele Entwicklungsmöglichkeiten, die es heißt, jetzt anzugehen. Mittlerweile wurde es für den historisch-politischen Unterricht im Archiv um eine Dauerausstellung mit dem Titel "Leer 1933 – 1945" erweitert. Hier wird den Schülern eindrucksvoll die Zeit des III. Reiches von der Machtübernahme im Rathaus, vertreten durch die Person des Nazi-Bürgermeisters Erich Drescher, über die Leidensgeschichte der Synagogengemeinde Leer bis zu den eklatanten Ausschreitungen des "Hauptmanns" Herold in den letzten Stunden vor der Einnahme der Stadt durch kanadische Truppen am 29. April 1945, vor Augen geführt.

Das Modell schmiegt sich eng an die Archivarbeit an. Es wurde in erster Linie als Anlaufstelle für alle Bildungseinrichtungen konzipiert, in der alle ortsspezifischen Fragen zur Regionalgeschichte hinsichtlich der Zeit der faschistischen Gewaltherrschaft geklärt werden können.

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