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Synagogen-Gedenkstätte


Zur Einweihung der „Synagogen-Gedenkstätte“,
am 10. November 2002
 


Vorangegangen waren Jahre der zunächst schleichenden, existenzbedrohenden Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung, die schließlich in der „Reichspogromnacht“ eskalierte. In Leer in gleicher Weise wie überall im Deutschen Reich. Die einst so prunkvolle Synagoge, Sinnbild einer blühenden Gemeinde an der Heisfelder Straße 44, sank in Schutt und Asche. Niedergebrannt vom Bürgermeister der Ledastadt, Erich Drescher und Männern der SA.  

Manche in der Bevölkerung sahen es mit Entsetzen, manche klatschten Beifall, die meisten aber sahen weg. Am anderen Tag gingen sie ihrer alltäglichen Beschäftigung nach, als wenn nichts geschehen wäre. Mitten im Frieden Gewalt, Brandschatzung, Plünderung und Mord. Aber kein Aufschrei der Bevölkerung. Darum ist in jener Nacht in unzähligen Synagogen das Gebet für immer verstummt. Auch hier in Leer.

Angemessener Ort der Erinnerung

Wir dürfen nicht vergessen. Deshalb muss erinnert werden. Erinnert, aber auch ein zukunftsweisendes Zeichen gesetzt werden gegen Gewalt und Terror. Dieses leistet die neue Gedenkstätte, die vom heutigen Tag an unübersehbar zur Mahnung und zum Gedenken aufrufen soll. Sie wurde in unmittelbarer Nähe zum einstigen Synagogenstandort angelegt. Nicht irgendwo – an versteckter Stelle – sollte dieses Zeichen gesetzt werden, sondern genau dort, wo das jüdische Gemeindeleben einst stattfand, dem Platz der einstigen Synagoge. In Leer ist dieser Ort nicht mehr zugänglich. Eine Autowerkstatt wurde nach dem Krieg darauf errichtet. Seit Mitte der 60er Jahre gibt es dort eine kleine Gedenktafel, die an die Pogromnacht erinnert.

Lange Zeit hatte das Erinnern keinen Stellenwert. Eine Auseinandersetzung mit der unliebsamen Vergangenheit war lästig und vielen unangenehm. Sicher nicht ohne Grund. Irgendwann „vergaß“ man einfach, sich zu erinnern. Bis sich im Jahr 1985 - mit dem ersten Besuch der ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt Leer – erste freundschaftliche Kontakte zu den Überlebenden der jüdischen Gemeinde unserer Stadt ergaben und sich der Knoten des Vergessens löste. Der Knoten befand sich schon lange in unser aller Taschentuch. Er sollte uns an etwas erinnern. Wir sollten etwas sehr Wichtiges nicht vergessen. In dem Augenblick, in dem der Knoten gelöst wurde, war man bereit, sich der Geschichte zu stellen.

Den letzten Anstoß zur Verwirklichung dieser Gedenkstätte zu Ehren der ermordeten jüdischen Bürger unserer Stadt und in Erinnerung an die Synagoge der jüdischen Gemeinde gaben im Juli 1999 die Leeraner Kirchen.

Eine vom Ökumenischen Arbeitskreis Leer beauftragte Arbeitsgruppe hat sich zwei Jahre mit der Frage befasst, wie ein Gedenken in angemessener und würdiger Form aussehen könnte. Eine Stätte des Verweilens und Nachdenkens, ein Ort des In-sich-Gehens und des Mahnens.

Ein Zeichen gegen Gewalt und Terror

In jeder Stadt sollte es einen Ort der ehrenden Erinnerung an die ermordeten jüdischen Bürger geben. Einen Ort der Erinnerung an Taten, die nicht ungeschehen gemacht werden können. In Leer hat es lange gedauert, bis zu Ehren der ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Leer und in Erinnerung an die Synagoge der jüdischen Gemeinde ein Symbol für ein selbstbewusstes und aufrichtiges Umgehen mit der Vergangenheit und gleichsam für ein menschliches Miteinander realisiert wurde. Eine sichtbare Mahnung an die zukünftigen Generationen, aus der Geschichte zu lernen. Ein Zeichen gegen Gewalt und Terror.

Auf der Gedenkstätte wurde eine weiträumige Pflasterung vorgenommen, in die ein Davidstern eingelassen ist. Dieser wird von drei etwa 2.70 m hohen flachen Stelen aus Stahl umgeben.

Die Stellen sind auf der Innenseite beschriftet:

Außerdem sind die Namen aller ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Leer aufgeführt.

Ferner wurde eine optische Verbindung zum eigentlichen Synagogenstandort hergestellt durch die Anbringung eine Stele gleichen Materials mit dem stilisierten Bild des Eingangportals der Synagoge an der Werkstattwand.

Auf diese Weise wird deutlich gemacht, dass die Gedenkstätte eigentlich ein Provisorium ist und der damalige Synagogenstandort auch weiterhin für das Gedenken seine zentrale Bedeutung behält.

Für ein menschliches Miteinander

Die Errichtung dieser Gedenkstätte zu Ehren der ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Leer und in Erinnerung an die Synagoge der jüdischen Gemeinde ist ein Symbol für ein selbstbewusstes und aufrichtiges Umgehen mit der Vergangenheit und gleichsam für ein menschliches Miteinander. Darüber hinaus ist sie eine Mahnung an die zukünftigen Generationen, aus der Geschichte zu lernen.

An ihrer Realisierung haben viele Bürger, Betriebe, Institutionen und Vereine mitgeholfen.

Dafür sagen wir Dank

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