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Kaiserfenster im Rathaus-Festsaal


Kaiserfenster

Der Festsaal im historischen Rathaus ist wieder um eine Attraktion reicher.

Als das Rathaus im Oktober 1894 feierlich eingeweiht wurde, befanden sich an der Stirnseite drei Fenster, die die drei deutschen Kaiser zeigten. Das Mittelfenster stellte Kaiser Wilhelm I. dar und wurde von der Freimaurerloge geschenkt. Das Fenster mit dem Bildnis des Kaisers Friedrich III. war ein Geschenk des Senators Wreesmann und das Fenster mit dem Bild von Kaiser Wilhelm II. wurde von dem Buchdruckereibesitzer Zopfs gestiftet.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Fenster ausgebaut. Die Fenster wurden zugemauert und die Wand wurde mit einem Bild, welches den Leeraner Hafen um 1800 zeigt, bemalt.

Im Rahmen der Restaurierung des Festsaals entschloss man sich, die Fenster wieder zu öffnen. Bürgermeister Wolfgang Kellner gelang es, Sponsoren für die Wiederherstellung der Kaiserfenster zu finden. Die Hilke und Fritz Wolff Stiftung und das Ledawerk finanzieren ein Fenster. Die anderen beiden Fenster werden von Herrn Hero Brahms und den Eheleuten Lore und Günter Prahm gesponsert.

Da es keine Unterlagen mehr über die Ausgestaltung der Fenster gibt, musste man für die Rekonstruktion ein Foto heranziehen, auf dem die drei Kaiser allerdings nur schemenhaft zu erkennen sind. Nach intensiven Beratungen mit Experten aus dem Bereich der Denkmalpflege hat man sich schließlich dafür entschieden, ein ganz neues Kunstwerk zu schaffen. Beauftragt wurde damit der Glaskünstler Günter Grohs aus Wernigerode, der die Fenster in der Firma Derix Glasstudios in Taunusstein angefertigt hat. Nun wurden die neuen Fenster eingesetzt und im Rahmen einer Feierstunde enthüllt.

Bürgermeister Wolfgang Kellner erläuterte im Rahmen der Veranstaltung die Geschichte der Kaiserfenster und ging dabei auch auf das Schicksal von Heinrich Ukena ein, der sich beim Reichsinnenminister über die Entscheidung des Nazi-Bürgermeisters Drescher beschwert hatte, die Kaiserfenster auszubauen. Heinrich Ukena wurde von den Nazis als Querulant eingestuft und 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald verbracht, wo er 1940 starb.

Dr. Peter Königfeld, der für das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege tätig war und die Rekonstruktion der Kaiserfenster fachlich begleitet hat, machte deutlich, dass man zu der Erkenntnis gelangt sei, dass etwas endgültig Verlorenes nicht zurückzugewinnen sei. Er habe den traditionell denkenden Glaskünstler Günter Grohs für die Erstellung eines Neuentwurfs vorgeschlagen. „Ich bin begeistert von der Umsetzung. Das Werk passt sich gestalterisch hervorragend in den Saal ein. Ich gratuliere der Stadt Leer und den Sponsoren zu Ihrem Mut“, so Dr. Königfeld.

Günter Grohs beschrieb, wie der sich dieser schwierigen Aufgabe genähert habe. Schließlich existierte nur ein Bild der Kaiserfenster, auf dem diese nur schemenhaft zu erkennen seien. Deshalb habe er keinen Rekonstruktionsversuch unternommen. Günter Grohs: „Mir ist großes Vertrauen geschenkt worden und ich habe viel Verständnis für meine Arbeit erfahren“.

Bürgermeister Wolfgang Kellner dankte allen Sponsoren ganz herzlich: „Ohne Ihre Hilfe würde der Festsaal heute nicht so prachtvoll aussehen. Er ist ein Schmuckstück geworden.“

Im Rahmen von Rathausführungen, bei öffentlichen Sitzungen oder anderen Veranstaltungen können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger selbst ein Bild davon machen, wie der Festsaal nun mit den neuen Fenstern wirkt.

Weitere Informationen:

Kaiserfenster im Rathaus-Festsaal