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Schöfeln


Ja – auch in Ostfriesland hat es einmal zugefrorene Gewässer gegeben.

Man mag es kaum glauben, aber in einer Zeit vor der Klimaerwärmung und milden Frühlingstemperaturen zu Weihnachten sind in dieser nördlichen Ecke Deutschlands, in dem kleinen Dörfchen Breinermoor, sogar einmal welche der bekanntesten Schlittschuhe entstanden – die Breinermöerkes. Es war ungefähr im Jahr 1830, da entwickelte der Schmied Koert Harm(s)

Schlittschuhe aus Breinermoor
Schlittschuhe aus Breinermoor
Schmidt diese spezielle Form der „Schöfel“. Ihre besonderen Kennzeichen: Zum einen ist da die Form, der lang gebogene Schnabel.

Aber auch die Herstellung erfordert geschickte handwerkliche Fähigkeiten. Die so genannten Lempen (Laufschienen) bestehen nämlich zu drei Vierteln aus weichem Schmiedeeisen und zu einem Viertel, dem unteren, das auf dem Boden gleitet, aus Hartstahl. Die Kunst besteht dabei im Schweißen von Stahl auf Eisen. Außerdem sind die Schöfel mit einer Holzverkleidung aus hartem feinem Apfelholz bestückt.

In einem guten Winter, so sagt man, habe Koert Harm(s) Schmidt bis zu 1300 Paar Schlittschuh gefertigt und sie mit seinem Qualitätssiegel „KHS“ versehen – das nicht selten von Neidern kopiert wurde.

Die Schlittschuhe an sich sind jedoch viel älter, als ihre prominenten Nachkommen aus Breinermoor. Bereits aus dem Mittelalter sind Belege über das Fortbewegungsmittel vorhanden, das zu dieser Zeit auch noch vornehmlich als solches gedient hat.

Zugefrorene Sieltiefe, Nebentiefe und Kanäle waren eine willkommene Abwechslung zu den unebenen und unbefestigten Straßen. Hier wurden sowohl Güter transportiert als auch längere Strecken zurückgelegt um längst fällige Besuche bei Verwandten und Bekannten anzutreten, die auf dem Landweg nur so mühsam zu erreichen waren. Vor allem den Postboten wurde auf diesem Wege die Arbeit oftmals erleichtert.

Natürlich bestand dabei die Gefahr des Einbruchs und gerade auf abgelegenen Strecken ereignete sich deshalb auch manch tragisches Schicksal. 

Zugefrorene Eislaufstrecke
Zugefrorene Eislaufstrecke
Allerdings gab es auch zunehmend schöne Momente auf dem Eis. Jung und Alt ließen es sich nicht nehmen sich auf der glitzernden Fläche zu vergnügen – sei es im Einzellauf, Paarlauf oder auch Wettkampf. Jeder hatte seine eigene Art sich fortzubewegen, ob zu zweit oder alleine, tänzelnd oder sprintend.

Und auch die Breinermöerkes fanden ihren Platz in der Gemeinschaft der Schöfelfreunde und sogar heute schwelgen manche in nostalgischen Erinnerungen an vergangene Kindertage auf den so besonderen Kufen. Sehnsüchtig denkt man daran zurück und darf gespannt sein, was der nächste Winter bringen wird.

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