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Klimaanpassung in der Stadt Leer

Selbst aktiv werden

Sie wollen selbst aktiv werden und Ihre Ideen, Wünsche und Perspektive im Bereich Klimaanpassung einbringen?  

Hier geht es zu den interaktiven Beteiligungskarten.

Eine Teilnahme ist jederzeit online und in der neuen „Klima-Ecke“ der Stadtbibliothek zu den normalen Öffnungszeiten in analoger Form möglich.

Klimaanpassung: Workshop brachte 40 konkrete Ideen

Welche Maßnahmen helfen der Stadt Leer, sich besser gegen Starkregen und Hitze zu wappnen? Diese Frage stand jetzt im Mittelpunkt des zweiten Fachworkshops zur Klimaanpassung, an dem unter Leitung der städtischen Klimafolgenanpassungsmanagerin Carolin Heiler und des externen Gutachterbüros Green Adapt zahlreiche Akteurinnen und Akteure der Stadtverwaltung, der Stadtwerke, des Borromäus-Hospitals, des BUND, der Grundschulen, des Landkreises, der Landwirtschaftskammer und des NABU teilnahmen.

Rund 40 konkrete Ideen sind das Ergebnis des Workshops. Diese wurden zunächst bewertet, ob sie seitens der Stadt realistisch umsetzbar sind, und dann in Maßnahmensteckbriefen festgehalten. Mögliche Beispiele: naturbasierte Ansätze wie Dachbegrünungen, technische oder infrastrukturelle Ansätze wie Deiche, Rückhaltebecken und hitzeresiliente Baustoffe sowie stadtplanerische Regelungen wie Bauverbote in Überschwemmungsgebieten oder Frischluftschneisen. Auch ökonomische Instrumente wie Förderprogramme, informative Instrumente (Info-Kampagnen, Frühwarnsysteme) und die Stärkung der Eigenvorsorge (Beratungen zu Schutzmaßnahmen am Haus) wurden aufgenommen. Die Maßnahmensteckbriefe werden im nächsten Schritt ausgewertet und mit Zuständigkeiten, Finanzierungsmöglichkeiten und Zeithorizonten versehen. Im dritten Fachworkshop werden finale Formulierungen und Zuständigkeiten sowie Prioritäten für einen vorläufigen Maßnahmenkatalog für das Klimaanpassungskonzept festgelegt, der dann der Politik zur Entscheidung vorgelegt wird.

Während des Workshops wurden zudem eine Starkregengefahrenkarte und eine Hitzehotspot-Karte für das Leeraner Stadtgebiet vorgestellt. Diese waren mit Hilfe hydrologischer und topografischer Geländedaten sowie einer satellitengestützten Luftbildauswertung erarbeitet worden. Zudem präsentierte Dr. Andreas Marx (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) den bundesweiten Dürremonitor, der unter anderem direkte Folgen des Klimawandels für die Land- und Forstwirtschaft, die Biodiversität und die Wasserversorgung aufzeigte.

Auch Bürgerinnen und Bürger können nach wie vor Ideen für Maßnahmen vorschlagen – entweder online unter Beteiligungskarten der Stadt Leer (https://kühle-orte.de/beteiligungskarten-klimaanpassung-stadt-leer ) oder direkt in der Stadtbibliothek, wo sie ausgehängt sind.

Klimafolgen: Fachakteure arbeiten gemeinsam an Konzept

Beim Ziel, ein Klimafolgenanpassungskonzept zu erarbeiten, ist die Stadt Leer einen weiteren Schritt vorangekommenen:  Bei einem ersten Workshop sind jetzt Fachakteure aus der Stadtverwaltung, von den Stadtwerken, vom Landkreis und von der Landwirtschaftskammer zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen die Information, der Austausch sowie die Motivation der Akteurinnen und Akteure – speziell, was die verschiedenen Querschnittsbereiche der Klimaanpassung betrifft.

„Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist eine kommunale Gesamtaufgabe, da der Klimawandel fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens gleichzeitig beeinflusst, und nur wirksam bewältigt werden kann, wenn alle Fachbereiche und Institutionen koordiniert zusammenarbeiten“, erläuterte Klimafolgenanpassungsmanagerin Carolin Heiler. Kein einzelnes Fachamt besitze allein das Wissen oder die Steuerungsmöglichkeiten, um diese komplexen Herausforderungen zu bewältigen.

Erst wenn Planungs-, Umwelt-, Gesundheits-, Sozial-, Infrastruktur- und Krisenschutzakteure zusammenarbeiten, ließen sich Risiken vollständig erfassen und Maßnahmen so gestalten, dass sie sich gegenseitig unterstützen statt behindern. Dies zeige sich beispielsweise beim Thema Regenwassermanagement deutlich: Eine frühzeitige fachübergreifende Zusammenarbeit sei notwendig, um Flächennutzungskonflikte zu vermeiden und Synergien zu nutzen. So könnten im eng besiedelten Raum beispielsweise Spielplätze so gestaltet werden, dass sie bei Starkregenereignissen gleichzeitig als Regenauffangbecken dienen und Überflutungen im Stadtgebiet verhindern.

Für das Frühjahr 2026 ist ein weiterer Workshop geplant, bei dem erste Maßnahmenideen besprochen werden sollen.

Erstellung eines Konzepts zur nachhaltigen Klimaanpassung

Erstellung eines Konzepts zur nachhaltigen Klimaanpassung und für natürlichen Klimaschutz für die Stadt Leer (Ostfriesland)

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und schreitet unaufhaltsam fort. Auch in der Stadt Leer machen sich die Folgen bereits bemerkbar, beispielsweise in Form von höheren Temperaturen, längeren Trockenperioden und starken Regenfällen. Um die Auswirkungen für die Menschen in der Stadt abzumildern, soll ein Konzept erarbeitet werden, das die klimatischen Veränderungen und die zu erwartenden Auswirkungen beschreibt und Maßnahmen zur Verhinderung von Schäden an Menschen, Tieren, Umwelt und Infrastruktur entwickelt. Dazu werden klimatische Betroffenheiten in unterschiedlichen Handlungsfeldclustern wie „Landschaft“, „Wasser“, „Infrastrukturen“, „Menschliche Gesundheit“ und „Stadtentwicklung/Raumplanung“ analysiert.

Die Maßnahmen stehen im Mittelpunkt des Konzepts und werden neben der gutachterlichen Ausarbeitung in enger Zusammenarbeit mit lokalen Fachakteuren, Expert/innen, der Verwaltung und der Öffentlichkeit im Laufe der nächsten Monate entwickelt. Für diesen Prozess sind sowohl eine Auftaktveranstaltung, ein Betroffenheitsworkshop und darauffolgend ein Maßnahmenworkshop geplant.

Die Stadt Leer hat für die Erstellung eines solchen Klimaanpassungskonzeptes Fördermittel beantragt und bewilligt bekommen. Zum 1. Dezember 2024 hat eine Klimaanpassungsmanagerin die Arbeit aufgenommen und wird in den kommenden 24 Monaten gemeinsam mit einem externen Dienstleister dieses Konzept erarbeiten. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf Synergien mit dem natürlichen Klimaschutz und dem Einsatz naturbasierter Lösungen.

Den strategischen Rahmen dafür setzte die Bundesregierung bereits 2008 mit der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS). Die Erarbeitung und vor allem die Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel trägt auch zur Erreichung der internationalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG) bei.

Gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Förderaufruf im Rahmen der Förderrichtlinie „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ (DAS) und des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) zu Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes und naturbasierten Lösungen

Förderschwerpunkt ANK-DAS A – Einstieg in das kommunale Anpassungsmanagement
A.1: Erstellung eines Nachhaltigen Anpassungskonzepts (Erstvorhaben)

Förderzeitraum: 01.12.2024 – 31.03.2027

Förderkennzeichen: 67DAAN0621

https://www.bmuv.de/themen/klimaanpassung/ueberblick-klimaanpassung 

https://www.z-u-g.org/das/ 

Beteiligte Partner:

GreenAdapt Gesellschaft für Klimaanpassung mbH
Kurfürstenstraße 3a
10785 Berlin

Auftaktveranstaltung am 03.11.2025

Gelungener Start für das öffentliche Projekt „Klimafolgenanpassungskonzept für die Stadt Leer“: Rund 30 Teilnehmende sind am Montagabend zur Auftaktveranstaltung in die Stadtbibliothek gekommen. Gemeinsam mit einem Team des Gutachterbüros Green Adapt führte Leers Klimafolgenanpassungsmanagerin Carolin Heiler durch den Termin. Wie wichtig die Klimaanpassung ist, verdeutlichte Bürgermeister Claus-Peter Horst in seinen einleitenden Worten. Das Ziel der Arbeit von Carolin Heiler sei, „durch ein gezieltes Risikomanagement Schäden und Verluste durch Hitzewellen, Starkregen, Stürme oder Überflutungen zu verringern“. Dabei spielt das Klimaanpassungskonzept, das innerhalb einer zweijährigen Förderphase erstellt wird und der Politik als Entscheidungsgrundlage für mögliche Maßnahmen vorgelegt werden soll, eine entscheidende Rolle.

Carolin Heiler beleuchtete den rechtlichen Rahmen. Niedersachsen sei derzeit auf dem Weg, als drittes Bundesland Klimaanpassungen über das Niedersächsische Klimaschutzgesetz verpflichtend vorzuschreiben. Leer gehe mit dem Klimafolgenanpassungskonzept proaktiv vor. Wie dringlich ein Handeln ist, verdeutlichte Carsten Walther (Green Adapt). Bis Ende des Jahrhunderts werde die Temperatur auch in Leer im Mittel um mindestens drei bis vier Grad Celsius steigen. Ein Großteil der Todesfälle durch Katastrophen sei auf Hitze zurückzuführen. Im sehr heißen Sommer 2018 seien in Deutschland alleine 8700 Hitzetote zu beklagen gewesen.

Als stadtplanerische Maßnahmen zur Minderung von Hitze und Starkregenereignissen nannte Walther beispielhaft die vertikale Begrünung, zum Beispiel an Fassaden, um die Umgebungs- und Innentemperatur um zwei bis drei Grad Celsius senken zu können, Baumkronen, durch deren Beschattungseffekt die Temperaturen an Oberflächen gar um zehn Grad Celsius sinken würden, und Gründächer, die neben dem Temperatureffekt auch die Luftqualität verbesserten. Ideal sei es, auf entsiegelte, begrünte Quartiere zu setzen, die deutlich weniger vom Wärmeinseleffekt betroffen seien.

Um differenziert auf die Gegebenheiten und Bedürfnisse der Stadt einzugehen und Maßnahmen gemeinsam mit der Bevölkerung zu entwickeln, konnten Leeranerinnen und Leeraner ihre schon aktuell beobachteten klimawandelbedingten Probleme mitteilen: Wo staut sich in der Gegend bei Starkregen immer das Wasser? Wo kann man sich im Sommer hitzebedingt kaum noch aufhalten? Diese und weitere Klimarisiken konnten mit farbigen Klebepunkten direkt auf einer Karte der Stadt markiert werden. Eine zweite Karte bot Raum für konkrete Wünsche oder Ideen, um Leer klimaresilient und zukunftsfähig zu machen. Einige darauf von den Bürgerinnen und Bürgern vermerkte Beispiele: „Regenwasser auf eigenem Grundstück sammeln“, „Kühlere Orte wie Kirchen und Supermärkte benennen“ oder „Weniger Versiegelung“. 

Die zwei Karten sind ab sofort für mehrere Wochen online zur Bearbeitung freigeschaltet. (https://kühle-orte.de/beteiligungskarten-klimaanpassung-stadt-leer ). Die Beteiligung ist auch analog möglich: Die Karten hängen weiterhin in der Stadtbibliothek aus, zusätzlich wurde eine „Klima-Ecke“ mit thematischen Büchern und den Beteiligungskarten aufgebaut, so dass sich alle Interessierten während der Öffnungszeiten der Bücherei jederzeit selbstständig einbringen können.