Direkt zu:

Angemessener Ort der Erinnerung

Wir dürfen nicht vergessen. Deshalb muss erinnert werden. Erinnert, aber auch ein zukunftsweisendes Zeichen gesetzt werden gegen Gewalt und Terror. Dieses leistet die neue Gedenkstätte, die vom heutigen Tag an unübersehbar zur Mahnung und zum Gedenken aufrufen soll. Sie wurde in unmittelbarer Nähe zum einstigen Synagogenstandort angelegt. Nicht irgendwo – an versteckter Stelle – sollte dieses Zeichen gesetzt werden, sondern genau dort, wo das jüdische Gemeindeleben einst stattfand, dem Platz der einstigen Synagoge. In Leer ist dieser Ort nicht mehr zugänglich. Eine Autowerkstatt wurde nach dem Krieg darauf errichtet. Seit Mitte der 60er Jahre gibt es dort eine kleine Gedenktafel, die an die Pogromnacht erinnert.

Lange Zeit hatte das Erinnern keinen Stellenwert. Eine Auseinandersetzung mit der unliebsamen Vergangenheit war lästig und vielen unangenehm. Sicher nicht ohne Grund. Irgendwann „vergaß“ man einfach, sich zu erinnern. Bis sich im Jahr 1985 - mit dem ersten Besuch der ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt Leer – erste freundschaftliche Kontakte zu den Überlebenden der jüdischen Gemeinde unserer Stadt ergaben und sich der Knoten des Vergessens löste. Der Knoten befand sich schon lange in unser aller Taschentuch. Er sollte uns an etwas erinnern. Wir sollten etwas sehr Wichtiges nicht vergessen. In dem Augenblick, in dem der Knoten gelöst wurde, war man bereit, sich der Geschichte zu stellen.

Den letzten Anstoß zur Verwirklichung dieser Gedenkstätte zu Ehren der ermordeten jüdischen Bürger unserer Stadt und in Erinnerung an die Synagoge der jüdischen Gemeinde gaben im Juli 1999 die Leeraner Kirchen.

Eine vom Ökumenischen Arbeitskreis Leer beauftragte Arbeitsgruppe hat sich zwei Jahre mit der Frage befasst, wie ein Gedenken in angemessener und würdiger Form aussehen könnte. Eine Stätte des Verweilens und Nachdenkens, ein Ort des In-sich-Gehens und des Mahnens.