Fischerstatue im Rathaus-Altbau
Aus dem „Leerer Anzeigeblatt“, Allgemeine Zeitung für den Kreis Leer, Nr. 187, 56. Jahrgang, Mittwoch, den 12. August 1903
!! Um ein schönes Schmuckstück ist in diesen Tagen unser Rathaus reicher geworden. Auf dem Treppenpodest beim Aufgang zum ersten Stock ist die von einem ungenannt sein wollenden Bürger der Stadt gestiftete, aus Kalksandstein gefertigte lebensgroße Figur eines Fischers aufgestellt. Das Kunstwerk ist von dem Bildhauer A. Nieder aus Düsseldorf verfertigt, den zeichnerischen Entwurf lieferte der Maler Paul Gabel aus Düsseldorf. Durch die Ausstellung dieser Figur im Rathause wollte der Geschenkgeber den durch die Strebsamkeit der Bewohner herbeigeführten Aufschwung der Stadt von einem kleinen Fischerdorf zu den jetzigen Verhältnissen versinnbildlichen. – Mögen andere Standbilder, welche die Entwickelung der Stadt zur Seestadt darstellen, folgen. – (Anm. der Redaktion: Näheres über die Statue finden unsere Leser unter der Rubrik „Kunst und Wissenschaft.“)
Kunst und Wissenschaft
JS. Leer, 11. August 1903
Lange hatte mans schon gehört, im Rathause solle „etwas“ vor sich gehen; man sprach von einer Stiftung, aber wußte nicht „wie“ oder „was“. Als nun vor einigen Tagen im Rathause „etwas Schweres“ abgeladen wurde, sprach man von „Ausgrabungen“ u.a.m. Und dann hörte ich plötzlich, eine Statue sei ins Rathaus geschafft. ... Nun, als guter Bürger Leers interessiert für jede Begebenheit in meiner Vaterstadt, eilte ich selbst hin, um mich zu überzeugen. ...
Lange habe ich davor gestanden, vor dem Standbilde dieses kernigen Ostfriesen, und ich möchte gleich, ehe ich Einzelheiten bespreche, die Summe meines langen Schauens hier wiedergeben: Leer kann stolz sein auf diese neue Zierde des Rathauses, die gleichzeitig eine solche der ganzen Stadt mit ist. Kräftig und sehnig steht er da, ein echter ostfriesischer Fischer, massig, als wolle er den Sockel unter sich zerdrücken. Lebendig aufgefaßt, als sähen wir ihn kräftig ausschreiten unter uns, so ist er wiedergegeben. Den charakteristischen Kopf etwas seitwärts gedreht ausschauend, einen bestimmten Punkt im Auge, die etwas zusammengezogenen Augenbrauen den Ausdruck des schärferen Sehens hervorbringend, die hervorstehenden Backenknochen, eine scharfgeschnittenen Nase, die scharfen Linien des Mundes, der das Gesicht umrahmende charakteristische kurze Fischerbart, alles zusammen bildet einen prachtvollen Schädel, an dem jeder Beschauer seine Freude haben wird.
Der rechte Arm der Figur hängt herunter und hält eine Art Schleppnetz, während die linke Hand den Bootshaken umspannt, ihn bei der schreitenden Bewegung gleichsam als Stützpunkt gebrauchend. Breit und flächig und technisch gut wiedergegeben ist auch der Oelrock und der Südwester, - und nicht zu vergessen, die unvermeidlichen Wasserstiefel; wie viele Jahre mögen die Originale, die als Modell dienten, wohl schon in Gebrauch gewesen sein? Kurzum, die ganze Figur ist ein hervorragendes Werk, ein herrlicher Schmuck für unser schönes Rathaus.
Möge nun jeder Leser dieser Zeilen selbst hingehen und sich unseren Steinernen Landsmann anschauen, und sich in die Arbeit vertiefen, er wird wohl dieselbe Freude daran haben wie ich. Das Standbild ist ein wahres, echtes Stückchen Leben, kühn und trotzig vorwärts strebend. Möge der Fischer späteren Generationen nicht nur von dieser äußeren Charakteristik erzählen, sondern dieselben auch diese Eigenschaften dem Geiste des heutigen Geschlechtes nachrühmen!
Dem unbekannten Stifter sage ich hier namens vieler Mitbürger herzlichen Dank für sein schönes Geschenk! Die beiden jungen Düsseldorfer Künstler mögen sich in dem Ruhm des gelungenen Werkes teilen! Die Ausführung des Bildhauers Adolf Nieder hat mit dem Entwurfe des hier längst bekannten Malers P.E. Gabel vollständig Schritt gehalten, sie haben ein anständiges, fein empfundenes Werk geschaffen.
„Leerer Anzeigeblatt“, Freitag, 14. August 1903
Die Statue des Fischers, die vor einigen Tagen im Rathaus aufgestellt wurde, ist photographiert worden. Die wohlgelungenen Bilder sind im Schaufenster des Herrn Poppinga in der Rathausstraße ausgestellt.
Laut Ortssippenbuch Leerort (1600 – 1900)
Seite 203
Laut Ortssippenbuch Leerort soll der Fischer Edo Battermann, * 3.5.1832 in Leerort,
+ 23.8.1906 in Leer 1903 Modell der im Treppenhaus des Rathauses der Stadt Leer stehende Fischerstatue gewesen sein. Er verstarb nach einem im Leeraner Hafen erlittenen Unfall.
