Laudatio auf Yared Dibaba
PRAHLPREKEN FÖR YARED
Stars shinin' bright above you
Night breezes seem to whisper, "I love you"
Birds singin′ in the sycamore tree
Dream a little dream of me
Lieber Yared,
dat lett so, as weerst du nich de Beste, de sik an sükse Daag – also an Geburtsdaag, Ehren, Priesvergaven – so leep geern in d’ Middelpunkt stellt. Also fangen wi daarmit ok gaar nich eerst an. Wi fangen an mit dat Wichtigst:
Ik hebb disse Pries vör di kregen!
Du weets, waarum dat wichtig is, dat ik dat nu segg.
Wi kabbeln uns. Unnerrats. Un dat is good so. Uns Fründskupp is en bietje as dat Musical-Duett Anything you can do, I can do better – en leevtallig Kampansaag. Daarbi geiht dat nie wohrhaftig daarum, well objektiv „beter“ is. Sünnern ehrder daarum, well sein Revier wi nett betreden hebben. Is dat to’n Bislpill Anniland, wiel de Halv van de Minsken in d’ Ruum mit mi verwandt is? Of is dat Yaredtown, wiel Du fievmaal weerkennt worden büst un dreemaal mit „Hach, Sie sind doch der vom Fernsehen!“ begrött worst.
Un nu büst Du hier in Oostfreesland. Un to’t eerst maal sünd villciht mehr Minsken an di verwandt as mit mi.
Ofschöön du ja en heel un dall Föhl-Oostfrees büst. Up Welöt komen 5.500 Kilometer wiet weg, man in dien Hart al lang twüschen Spetzerfehn un Bagband angekommen. Du seggst: Oostfrees worrd een nich. Oostfrees, dat föhlt een.
As ik de Pries kregen hebb: Ik hebb kein Anroop vördeem kregen, man hett mi hier herlockt, mitdat man mi bookt hett. Un mi Papa vörkökelt hett, dat weer en ollerder Keerl, de de Pries kriegen würr, de sik sooo verdeent in de Plattdüütsch Spraak maakt harr.
He hett mi vördeem immer fraagt, wat ik an disse Dag antrecken würr. Un ik hebb dat nich verstahn! Ik treck mi siet bold 40 Johr süvst an.
He see denn achteran an mi, wiel ik ja van d’ Kondoomhersteller bit to d’ Kaninkentüchtervereen allens modereren würr, he mi kloormaken wull, dat dat hier en Anlaat weer, sik vernünftig antotrecken.
Wi hebbt vööl gemeensaam. Most likely modereren wi bi de glieke Kondoomherstellern un Kaninkentüchtervereen.
Mien Reaktion, as ik de Pries als as Överraschung kreeg: Ik kunn’t nichbegriepen. Ik weer up nix vorbereidt, al gaar nich weer ik mitt good Dankesworden utstatt un över uns Wilhelminchen wuss ik gaar nich so vööl.
Wo du rutfunnen hest, dat du de Wilhelmine Siefkes Pries kriggst?
Ik satt an dien Kökendisch un wi drunken Koffje. Mien Handy pingek upmaal un ik sach en Leeraner Nummer up Display. Daar mutt ik natürelk drangahn. Kann ja blot Papa wesen, dat Zollhuus of de Nix. Man dorför mellde sik CP Horst.
Ik see: Ach, welch edler Glanz in meiner Telefonzelle – Du ik sitt hier nett bi Yared Dibaba.
Un denn hett de Börgermester seggt, dat he woll en dardes Oog harr nu antoropen. Ik sull dat Handy up luut stellen. Wat ik dee.
Un as nu also de Worden dör de lüttje Köken klungen: Wi hebbt uns överleggt, dat dat mehr as angemeten weer, Di, Yared Dibaba, de Wilhelmine Siefkes Pries to geven. Würrst du de annehmen?
Do kunnst du nich antworten, also hebb ik dat för dii doon: Ja, dat deit he, man he kann blot noch nickkoppen, he verdringt nett in sein Tranen.
Un wi weten waarum du so brullen musst.
Du büst daar Yared. Du bist da. Du büst hier. Du hörst hier hen. Un ik segg dat heel bewusst: Ok wenn ik di lever nienich kennenlehrt harr, wenn dat bedüden würr, dat du mit dien Familie nich ut Oromiya harrst flüchten musst.
Sweet dreams ′til sunbeams find you
Sweet dreams that leave all worries behind you
But in your dreams, whatever they be
Dream a little dream of me
„Bin da . Wer noch?“ so hett dien Book.
Ja: Du bist da. Du büst daar. Un vandaag is haast egaal, well noch daar is. Man blot haast. Van Harten welkomen leev Dibaba-Familie. Ji sünd daar!
Also Yared, deep inamen. Hier is mien persönelk Konfettiregen för Di: Du büst en Geschenk.
Ik bün dankbaar, dat Du Deel van mien Leven büst. Un de Welt kann sik blied schätzen, dat du up hör büst – Du maakst hör, de Welt, to en beteren.
Du büst heel wat Besünners.
Un dat up leep vööl Ebenen.
Man vandaag geiht dat nich um dien Flachwitzkumpetenz, dien Chilischarpde-Resilienz of dien vullkomen Övertügen, een kunn elk Spraak van disse Welt mit dree modig utsproken Satzen beherrschen. Vandaag geiht dat um wat, dat groter is. De Jury schrifft in hör Begrünnen:
„Der bekannte Rundfunk- und Fernsehmoderator, Schauspieler, Entertainer, Autor und Sänger ist laut Jury „das Gesicht des Plattdeutschen“ und wichtiger Botschafter und Förderer der plattdeutschen Sprache. Seine Auftritte tragen maßgeblich dazu bei, der plattdeutschen Sprache sowohl in den Medien als auch auf der Bühne eine hohe Sichtbarkeit zu verleihen und ihr Ansehen zu steigern.“
Negenjohrold Jung flücht mit sein Familie ut Oromiya, lannt in d’ Lutherdstift in Falkenbörg, leernt van sie Mesterschke Wiltrud Plattdüütsch, spöölt na d’ Schauspöölutbilden an’t Ohnsorg, kriggt en egen Fernsehsennen un erobert mit Plattdüütsch de Welt, word to dat Gesicht van de Plattdüütsch Spraak.
Word mit sein Gesicht to dat Gesicht van de Plattdüütsch Spraak. Kört Erinnerung, ik weer de eerst Skandaal an d’ oostfreesk Knaal – wiel ik mit swart Haar up Welt komen bün.
Stars shinin' bright above you
Night breezes seem to whisper, "I love you"
Birds singin′ in the sycamore tree...
Sycamore Tree… Sycamorus. Ficus Sycamorus. Maulbeerfeigenbaum. Odaa-Baum.
Dat is so bummelig 2000 Johr her, da satt Zacchäus up en Muulbeerfiegenboom. Nich wiel hum langwielig weer, man wiel he wat sehn wull, dat groter is as he sülvst. Wiel he daartohören will. Nich blot Tokieker an d’ Rand blieven mag.
Wi hebbt uns för dien Book „Bin da. Wer noch?“ in de Odaa-Boom noch enmal heel neei verleevt. Ik, de mit Botanik ja as wi all weten hör Swierigkeiden hett, segg dat nich lichtfertig.
Up hör un unner hör verännern sük Blickwinkel.
Ich zitiere aus deinem Buch: Der Odaa ist nicht nur irgendein Baum. Es ist ein Feigenbaum, ein Maulbeerfeigenbaum, der tief verwurzelt ist im Leben der Oromo. Er ist für zentraler Treffpunkt, Heiligtum und Symbol. Unter dem Odaa versammelten sich die Menschen des Dorfes, die Ältesten und gewählte Regierende des Oromo-Volkes. Der Baum ist ziemlich robust – er kann locker ein paar Hundert Jahre alt werden. Anders als der „normale“ Feigenbaum wirft er seine Blätter nicht ab, sondern bleibt immergrün. Seine Blätter herzförmig, und das Laub wächst dicht und breit, sodass sein Blätterdach großzügig Schatten schenkt.
Der Baum ist das Herzstück der jahrhundertealten, demokratischen Gesellschaftsordnung der Oromos. In seinem schützenden Schatten wurde Mitbestimmung gelebt und Gemeinschaft geübt. Hier wurde beraten, debattiert, man hat Gesetze beschlossen, Konflikte geklärt und geschlichtet. Der Odaa war Parlament, Gericht und Tempel zugleich und ist Sinnbild für Gerechtigkeit und Demokratie.
Wenn wir uns unter ihm versammeln, soll jede Stimme gehört werden. Der Baum fordert von allen Respekt und Toleranz. Auch auf der Oromo-Flagge steht der Odaa im Zentrum.
För di is disse Boom so wichtig, dat du hum as lüttje, gülden Kett draggst – as Teken för de oort, waar du herkummst, dien Familie, die Kultuur.
Wi hebbt uns de Boom as Sinnbild wünscht. En Oort för dat mitnanner Proten, of Snacken. En Oort, an de wi nich alleen sünd, man in d’ Scharr van en auserkoren Oort, in Gemeenskup, de Dialog tolett. Wi wünschen uns Rumen för Wedderspraak, tegenspraak un Versöhnung, Klaarheid un Vöölstimmigkeid, Schuul un Spannung.
Denn männigmaal bruukt en Gespreek even nich bot Woorden. Dat bruukt en Rahmen un en oort. Un männigmaal bruukt dat villicht ok een, de uns an disse Oorten dör disse Gespreken föhrt.
Un wenn wi ehrlich sünd, denn büst du dat. Wi bruken DI!
Die Jury sagt: Ihm gelingt es, Menschen zusammen zu bringen und unterschiedliche Kulturen zu verbinden.
Du büst Spraken- un Minskenverener unner de Odaa-Boom. Du kummst överall hen un de Lüüd seggen: Dat is een van uns. Nich etwa en plattdüütsch Chameleon, ohn plattdüütsch Profil.
Sünnern even Yared – de mit disse Verantwortungsgeföhl för de Minschen: Ik fier dat, wenn ik seh, wo Minschen op di reageren un du mit Gedüür un Fründlichkeit Fragen beantwoordst, dien Eten kooltwarrn lettst, Fotos maakst – Ich segg immer: Bi Yared steiht Minschenleevde över heet Nudels!
Of dien Vermögen van’t Sozial-intuitiv Gesichterraden! Wenn du nich weetst, mit well du jüst snackst un wild versöchst Gesichter un Naams in d’ Kopp to sorteren ahn di wat anmarken to laten un investigativ Fragen stellst, wieldeem allens in di „Well the hell is dat?“ bölkt. Du deist dat, dormit sik dien Gegenöver goot föhlt. Blot dormit düsse Minsch denkt, du harrst em op Schirm – un dat jümmers.
Un well weet dat beter as ik. Du lettst anner Minschen to Woord komen, söchst dien Lücht, ohn dat van de annern to nehmen.
Wenn du in en Ruum büst, denn föhlt sik een immer so, as höörde he daarto. Du süchst Minschen. Du nimmst se eernst. Du laadst Minschn in, ohn dat dat groot Woorden bruukt.
Wo würr uns Mitnanner utsehn, uns Gesellskup, wenn wi mehr sükse Odaa-Oorten harren mit Di, de daar in d’ köhl Scharr sitt un uns all unner dat Hartbladddag welkomen heet.
Denn seet villicht de Südollnbörger tegen de Nörfrieske of dat Wicht ut Thenghusen tegen de Jung van Greetsiel un kieneen würr segen: Hauaha, dat is aver nich uns Platt.
Leev Yared, dat is nu Dien Dag. Laat Di fieren un uns gemeensam uns Plattdüütsch – uns Hartensspraak.
Up dat du in de nächste Tied, immer weer en paar van de hüdig verbaaal Konfettoregensnipsel in de unverwachtesten Ecken finnst.
Wilhelmine weer stolt up Di.
