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Kirchen in der Altstadt
Sehenswürdigkeiten
Große Kirche
Die Große Kirche der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leer wurde in den Jahren 1785 bis 1787 als barocker Zentralbau errichtet. Die Arbeiten am Turm wurden 1805 abgeschlossen. Der Grundriss des Gebäudes hat die Form eines griechischen Doppelkreuzes. Der Kirchenrat erteilte dem Zimmermann Isaak Woortmann den Bauauftrag. Seine Baupläne orientierten sich nach Grundsätzen der Reformierten Kirche, die einen eigenen Kirchenbaustil entwickelt hat. Vorbilder waren die Amsterdamer Noorderkerk, die Neue Kirche in Emden und die Noorderkerk in Groningen.
Die Große Kirche hatte eine Vorgängerin. Sie wurde in der Nähe des Plytenbergs erbaut (auf dem späteren Friedhof) am Westerende. Die Krypta, zu einer Gedenkstätte für Gefallene der Kriege umgebaut, erinnert noch heute an diese Stelle. Im Jahre 1777 flüchtete die versammelte Gemeinde aus der alten Kirche, als während eines Sturms der Dachstuhl einzustürzen drohte.
Die Schlichtheit des Innenraumes der Großen Kirche, vor allem das Fehlen eines Altars und eines Kreuzes, sind Ausdruck dafür, dass die Reformierten sich stets streng an das Bilderverbot gehalten haben: „Ich bin der Herr, dein Gott, .... Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen“ (2. Mose 20). Für sie allein gilt das Wort Gottes, wie es in der Bibel bezeugt wird.
Die Große Kirche in Leer ist eine typische Predigtkirche. Die im Jahre 1609 von Andreas Kistemaker im Renaissance-Stil gefertigte Kanzel bildet das Zentrum der Kirche. Das „kirchenblau“ gestrichene Gestühl ist auf die Kanzel ausgerichtet. Das Kirchendach wird von vier freistehenden Säulen getragen, und dazu hat die Kirche eine umlaufende Empore.
Der Abendmahlstisch im klassizistischen Stil stammt aus dem Jahre 1787. Der romanische Taufstein besteht aus Sandstein (um 1200 gefertigt). Wahrscheinlich wurde er aus der Vorgängerkirche in die Große Kirche gebracht. Die im Barockstil erbaute Orgel, die die ganze Nordseite des Kirchenraumes einnimmt, hat 37 klingende Stimmen.
Pfarrhaus Kirchstraße 16, 26789 Leer
Gemeindebüro Reformierter Kirchgang 19, 26789 Leer
Gottesdienst und Kindergottesdienst sonntags, 10.00 Uhr
Führungen:
in der Saison Montag - Freitag von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr,
Samstag von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
oder nach Vereinbarung mit dem Küster, Telefon 0491 25 66
Die Orgel der Großen Kirche wurde im Barockstil erbaut.
Sie nimmt die ganze Nordseite des Kirchenraumes ein und hat 37 klingende Stimmen (im Hauptwerk 12, im linken und rechten Rückpositiv je 8 und im Pedal 9) mit ungefähr 2500 Pfeifen, von denen einige noch aus der Orgel des aufgelösten Klosters Thedinga bei Leer stammen (der Orgelbauer war Marten de Mare).
1609 wurden Teile dieser Orgel, die Graf Enno III. der Reformierten Gemeinde geschenkt hatte, für den Bau der Orgel in der alten Reformierten Kirche verwandt. 1788 wurde die Orgel durch den Emder Joh.-Friedrich Wenthin in die neu errichtete Große Kirche gebracht. 1848 bekam sie ein selbstständiges Pedalwerk (Höffgen, Emden). 1953 – 1955 wurde das Instrument durch die Firma Paul Ott, Göttingen, baulich in den heutigen Zustand gesetzt.
Eine nötig gewordene Überarbeitung des ganzen Werks fand in den Jahren 1966 und 1970 statt. Die weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Leeraner Orgelbaufirma Jürgen Ahrend (damals Ahrend & Brunzema) führte die Arbeiten aus. Wenn auch eine abschließende Restauration noch aussteht, so hat die Kirchengemeinde doch ein hervorragendes Instrument, das auch im Konzert häufig zu hören ist und vielen Hörern Freude bereitet.
(Organeum Weener / Leeraner Orgelsommer siehe unter https://www.ostfriesischelandschaft.de)
Auf dem alten, südlich des Plytenberges gelegenen Friedhof der reformierten Gemeinde Leers befinden sich Reste der alten reformierten Kirche, die Krypta.
Sie beansprucht aus mehreren Gründen geschichtliches und baugeschichtliches Interesse. Zum einen handelt es sich um die Reste der Vorgängerin der heutigen, an anderer Stelle in den Jahren 1785 –1787 erbauten reformierten Kirche, zum anderen ist mit ihnen der Name des heiligen Liudger verbunden, der die erste Kirche in Leer gegründet haben soll. Darüber hinaus reicht die Geschichte der Krypta in die mittelalterliche Frühzeit Leers zurück.
Das Kryptagewölbe besteht aus zwei Tonnen mit gleicher Scheitelhöhe, in denen die Gewölbeansätze und die Maueröffnungen auffallend tief liegen. Letztere besitzen nicht den Charakter von Fenstern, sondern haben offenbar als Luftschächte gedient. Die innere Ziegelsteinschale des Kryptamauerwerks weist noch wenige, in unbestimmtem Abstand eingefügte Binder auf. Dies lässt den Schluss zu, dass die Erbauung der reformierten Kirche um 1200 zu datieren ist. Die beiden Schiffe der Krypta sind im Osten von zwei Apsiden mit Kuppelgewölben begrenzt.
Die Kirchenordnung der Evangelisch-reformierten Kirche ist auf den Grundsatz der Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit ausgerichtet.
Dieses Ordnungsprinzip verbietet jede Autorität in der Kirche kraft Amtes.
Bahnbrechend für dieses Leitbild war die Emder Kirchenordnung von 1571, deren Beschlüsse auch auf politischem und soziologischem Gebiet weit verzweigte Auswirkungen gehabt haben.
Im Eingangsartikel dieser Kirchenordnung heißt es: „Keine Gemeinde (Kirche) darf über die andren Gemeinden das Primat oder die Herrschaft an sich reißen, kein Prediger über den anderen Prediger, kein Ältester über die übrigen Ältesten, kein Diakon über die Diakone. Jeder und jede hat sich sorgfältigst auch vor dem Verdacht solcher Anmaßung und vor jedem Versuch, sich das Regiment anzueignen, zu hüten.“
In den Verfassungsgrundsätzen heißt es grundlegend: „Die Evangelisch-reformierte Kirche ... ist gegründet allein auf Jesus Christus, ihren Herrn, wie er in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments bezeugt wird...“.
Gott hat Israel zu seinem Volk erwählt und nie verworfen. Er hat in Jesus Christus die Kirche in seinen Bund hineingenommen. Deshalb gehört zum Wesen und Auftrag der Kirche, Begegnungen und Versöhnung mit dem Volk Israel zu suchen.“ (§1 Absätze 1 und 2 der Kirchenverfassung)
Zum einen soll das Schiff die Verbundenheit mit der Hafenstadt Leer und der Seefahrt symbolisieren, zum anderen erinnert es an eine biblische Erzählung.
Nach ihr befanden sich die Jünger auf dem See Genezareth in Lebensgefahr und wurden von Jesus gerettet.
